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In den vergangenen Jahren wurden in den USA die Spätwirkungen
nach Poliomyelitis erforscht und Rückschlüsse daraus gezogen. Die hier genannten Symptome
stehen in Zusammenhang mit einer früher durchgemachten Polioerkrankung. Sie variiert je nach
Schwere der ursprünglichen Infektion, Alter, Belastung und allgemeiner Konstitution. Vier Kategorien sind
bekannt:
1. Ungewöhnliche Müdigkeit
Diese bezieht sich nicht nur auf stark beanspruchte Muskelpartien
nach körperlicher Anstrengung, sondern kann auch anfallsweise bei nervlichen Streß oder allgemeiner
starker Belastung auftreten. Es kann zu geistigen Ausfällen und plötzlichem Einschlafen
kommen.
2. Gelenk- oder Muskelschmerzen
Chronische oder vorübergehende Muskelschmerzen rühren
von Überanstrengungen und Verspannungen, treten aber auch spontan
auf. Betroffen sind besonders häufig die Halswirbelsäule und das untere Rückgrat sowie die Extremitäten.
Häufig sind auch sekundäre Schmerzen, die auf Überanstrengung
einzelner Muskelpartien oder auf Verformung der Gelenke zurückzuführen sind. Gleichgewichtsstörungen
sind vor allem bei Übermüdungen zu beobachten. Vorzeitige Osteoarthritis
tritt bei Gelenken auf, die ausgleichend arbeiten müssen. Es wird auch von nicht lokalisierbarem "grippeähnlichen"
Schmerzgefühl im ganzen Körper berichtet.
3. Zunehmende Muskelschwäche
Die Muskeln, die sich von der ursprünglichen Lähmung im
Anfangsstadium gut erholt haben und die seitdem "normal" beansprucht wurden, sind am stärksten
von Spätfolgen betroffen. Zunehmende Schwäche und Schmerzen zeigen die Veränderungen
an. Aber auch die Körperregionen, die scheinbar keine Ausfälle hatten, erweisen
sich nach Jahrzehnten als
eingeschränkt funktionsfähig und werden zusehens schwächer.
4. Atembeschwerden
Schwierigkeiten beim Atmen werden oft nicht als Folge der früheren
Erkrankung erkannt. Die Brustmuskulatur verliert, genau wie andere Muskelpartien, an Leistungsfähigkeit,
so dass der Brustkorb nicht immer genügend gedehnt werden kann. Die Folge
ist ein geringeres Lungenaufnahmevolumen, was zu Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und
allgemeiner Abgeschlagenheit führen kann. In extremen Fällen treten
Atemstillstand während des Schlafs auf.
5. Verhaltensempfehlungen für
Post-Polio-Patienten Achten Sie auf Ihre Körpersignale
! Zwingen
Sie sich nicht zu vermehrter Leistung wenn Ermüdungserscheinungen auftreten !
Der Wechsel zwischen Bewegung und Ruhe, zwischen
Arbeit und Erholung sollte bewusst eingehalten werden. Körperliche Anstrengung darf nicht die
Schmerzgrenze übersteigen. Ist eine kurzfristigeMuskelbelastung nicht zu vermeiden, müssen
unbedingt zwischendurch und danach Ruhepausen
eingelegt werden. Vermeiden Sie Gewichtszunahme. Ausgewogene Ernährung, wenig
Süßigkeiten, evtl. eine Diätkur verhelfen zu einem allgemein besseres Körpergefühl. Starker
Alkoholkonsum verringert die
Leistungsfähigkeit der Muskeln und vergrößert die
Sturzgefahr. Überprüfen Sie Gefahrenquellen in Ihrer Wohnung oder am
Arbeitsplatz. Rutschende Teppiche, glatte Schuhsohlen auf Parkett, Stolperschwellen oder gewagte Kletterein,
etwa beim Hausputz, führen oft zu gefährlichen Stürzen. Gewöhnen Sie sich an den Gedanken, da Hilfsmittel wie etwa ein
Gehstock, der Rollstuhl oder eine Atemhilfe nötig werden könnten. Sprechen Sie andere gegenüber offen über Ihre Behinderung
und erlegen Sie sich keine unnötige Anstrengung auf. Auch kurze Gehstrecken können zur Qual werden,
vor allem unter Zeitdruck. Nehmen Sie öfters Ihr Auto oder ein Taxi, anstatt schlecht
gelaunt alleine daheim zu sitzen ! Geraten Sie nicht in Panik, wenn die Atmung Schwierigkeiten macht
! Durch regelmäßige Lebensweise, genügend Schlaf möglichst wenig Aufregung
können Sie die Atemleistung selbst gut beeinflussen. Erkältungen sollten gut ausgeheilt werden. Bei
stärkeren Beschwerden einen Lungenfacharzt aufsuchen.
Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihr Arzt
das Post-Polio-Syndrom kennt ! Informieren Sie sich selbst und sprechen Sie in Ruhe mit ihm darüber. Der Zusammenhang
der ursprünglichen Erkrankung mit Sekundärschäden sollte auf jeden Fall klar werden.
Überprüfen Sie Ihren Lebensstil ! Oft helfen geringfügige
Änderungen des Tagesablaufes, eine Ruhepause, ein weniger anstrengendes Hobby, eine Hilfe für den Haushalt oder
Garten, um wieder Lebensfreude zu gewinnen.
Narkotika sind nach Möglichkeit zu vermeiden ! Als gelegentlich
schmerzstillendes Mittel wird Aspirin empfohlen. Achten Sie darauf, dass Ihre meist schlecht
durchbluteten Arme und Beine nicht zu sehr auskühlen. Gönnen Sie sich eine Wärmflasche,
ein warmes Bad oder eine Dusche, warme Strümpfe und Schuhe. Feuchte Wärme hilft auch gegen Muskelschmerzen.
Fangopackungen in regelmäßigen Abständen (z.B. 14-tägig) für
den Rücken in Kombination mit Massage lindern Nackenverspannungen und die Neigung zu Hexenschuss. Gymnastik
sollte sehr vorsichtig betrieben werden, kein Krafttraining ! Schwimmen ist die beste Ausdauerübung,
doch nicht bei zu kalten Wasser ! Jede Übung ist sofort abzubrechen wenn Schmerz
empfunden wird.
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