0


Ein Artikel von Frau Ulrike BÖS     und Frau Sandra WODE -Krankengymnastinen-

Gemeinschaftspraxis "Zur KG"

Industriestr. 14 (Nähe Handelshof)

35582 Wetzlar-Dutenhofen

Tel.: 0641 29298

 

Fortbildungsveranstaltungen für Krankengymnastinnen und Krankengymnasten:
jeweils zweimal im Jahr (März und Oktober) in der Gemeinschaftspraxis speziell
für Polio-Krankengymnastik. Informationen können in der Gemeinschaftspraxis
eingeholt werden.

 

Befundaufnahme in der Krankengymnastik

 

Die Befundaufnahme gliedert sich in 7 Hauptbereichen die zu beurteilen sind:

 

1. Muskulatur

2. Gelenke

3. Haut

4. Sensibilität

5.Tonusverhalten

6. Atmung

7. Gangbild / Ganganalyse

    
1. Muskulatur
Die Bestimmung der Kraft- und Ausdauerverhältnisse der Muskulatur wird in der Krankengymnastik durch spezielle manuelle Tests durchgeführt. Jeder einzelne Muskel wird nach seiner Kraft und Ausdauer beurteilt. Die Beurteilungen liegen bei Werten zwischen 0 und 5. Die prozentuale Kraftanstrengung bzw. Muskelleistung steht jeweils neben dem Schema.

 

Schema aus der Sportmedizin:
                      

- 0   = keine Muskelzuckung

10% - 1   = geringe Muskelzuckung

25% - 2   = kein volles Bewegungsausmaß, Test erfolg unter Abnahme der Schwere

50% - 3   = volles Bewegungsausmaß gegen die Schwere, 5 Wiederholungen

80% - 4   = volles Bewegungsausmaß gegen die Schwere, plus leichten Widerstand,  8 Wiederholungen

100% - 5   = volles Bewegungsausmaß gegen die Schwere, plus max. Widerstand, 10 Wiederholun

Die Beurteilung der Post-Polio-Patienten darf nicht nach dem Schema aus der Sportmedizin, sondern nur in Anlehnung daran erfolgen. Dr. Beasly hat in Forschungsarbeiten ermittelt, dass die  prozentuale Muskelleistung weitaus geringer ist.

 

Stufe 1                                der normalen  Muskelleistung

Stufe 2 2,5%                      der normalen Muskelleistung

Stufe 3 9,1%                      der normalen Muskelleistung

Stufe 4 42,5%                    der normalen Muskelleistung

Stufe 5  53,5% - 100%      der normalen Muskelleistung

                                  
 2. Gelenke
Die Untersuchungsmethode aus der manuellen Therapie gibt differentialdiagnostisch Aufschluss über die :

-Quantität         => wie viel bewegt sich das Gelenk ?

-Qualität           => wie bewegt sich das Gelenk durch die Bewegungsbahn

-Endgefühl       => wie stoppt die Bewegung ?

-Symptomatik  => ändert die Symptomatik in Bezug auf "Stärke" und"Lokalisation" ?

 des Gelenks.
Die Gelenkbeweglichkeit wird getestet, indem untersucht wird, wie sich die jeweiligen Gelenkpartner im Verhältnis zueinander bewegen können. Funktionsstörungen und Schmerzen können durch Defekte verschiedenster  Strukturen verursacht werden. Eine genaue Untersuchung und Differenzialdiagnose der Gelenkstrukturen ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie.

 

3. Haut
Überprüfung der Haut:

 

-Feuchtigkeit der Haut

-Temperaturempfinden

-Turgor => Wassergehalt der oberflächlichen Gewebe

-Elastizität / Plastizität des Gewebes

-Verschieblichkeit

-Tonus / Spannungszustand der Muskulatur.

 

4. Überprüfen der Sensibilität

 

a.) Oberflächensensibilität

-warm / kalt empfinden

-spitz / stumpf

-Wie viele Finger werden gespürt, wenn man berührt ?

 

b.) Tiefensensibilität

-Lageempfinden im Raum; z.B. man nimmt den rechten Arm des Patienten in eine bestimmte Position, der Patient stellt den linken Arm genauso ein. Mehrere Wiederholungen, auch mit den Beinen.

5. Tonus
Wie sind die Tonusverhältnisse des Patienten. Verglichen wird die rechte Körperhälfte mit der linken. Wie ist der Tonus des Rumpfes? Welche Muskeln sind plegisch. Wo ist Muskelkraft vorhanden. Besteht ein Hypertonus oder ein Hypotonus. Ist evtl. eine Spastik vorhanden. Wird über bestimmte Funktionen kompensiert um Bewegungen mit Hilfsmuskeln auszuführen (Trickbewegungen) ?

6. Atmung
Um die Atmung zu beurteilen muss man auf viele Dinge achten. Beurteilt wird zu Beginn die Atemfrequenz, der Atemrhytmus, bestehen Atemgeräusche, evtl. Atemstörungen und in wie weit verändert sich die Atmung bei körperlicher Belastung. Als nächstes wird ein Atemdiagramm erstellt, welches Aufschluss gibt, über die Atembewegung d.h. besteht mehr Flanken-, Brust- oder Bauchatmung.
Weiterhin muss berücksichtigt werden, ob orthopädische Fehlbildungen bestehen, die Einfluss nehmen
auf die Atmung z.B. Skoliose, Thoraxfehlbildungen (wie Trichterbrust).
Eine ganz wichtige Rolle spielt die Atemhilfsmuskulatur. Die einzelnen Muskeln, die für die Atmung zuständig sind, müssen durch die Muskelfunktionsprüfung beurteilt werden. Es ist zu erfragen wie sich die Rachenmuskulatur verhält. Kann der Patient ohne Probleme "schlucken". Beurteilt wird weiterhin die "Sprache", d.h. wie ist die Stimme und wie verhält sich die Atmung beim sprechen.

 

7. Gangbild
Erstellen einer Ganganalyse:

 

Es werden die einzelnen Schrittphasen beurteilt

 

1) Schwungbeinphase

2) Spielbeinphase

 

Wie nimmt der Patient Gewicht auf beide Beine? Wie verhält sich der Rumpf? (Trendelenburg); Wie Hüfte, Knie und Fuß ? Bei der Beurteilung des Gangbildes hat man die Muskel, - Gelenk sowie die Tonusverhältnisse im Hinterkopf und weiß was er kann und was nicht möglich ist. Gemeinsam mit dem Patienten wird überlegt wie man mit Hilfsmitteln (z.B. Valenser-Schiene, Stock, o.ä.) das Gangbild verbessern kann. Ziel ist es, ein physiologisches Gangbild z erreichen.

Eine genaue Befundaufnahme kann nicht innerhalb einer halben Stunde erfolgen. Von Behandlung zu
Behandlung erfährt man immer mehr, und daraus entwickelt sich der Therapieplan. Wichtig für den Therapieverlauf ist es immer wieder Ziele zu setzen.

 

Ziele wären z. B.:

 

1) Verbesserung bzw. erhalten der Muskelkraft, sowie der Ausdauer.

2) Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit, vermeiden von Kontrakturen, Stabilisation der Gelenke und der Wirbelsäule

3) Sensibilitätsschulung - Wahrnehmungsschulung - Oberflächensensibilität -Tiefensensibilität

4) Tonusregulation

5) Atemtherapie; Facio-orale Therapie

6) Gangschulung / Hilfsmittelversorgung

7) Hausprogramm erstellen

8) Altersaktivitäten berücksichtigen.


Die Ziele werden individuell für jeden Patienten gesetzt. Es ist wichtig für die Behandlung, daß man auf Fragen die im Verlauf entstehen eingeht und versucht Alternativen anzubieten. Vorraussetzung für ein erfolgreiche Therapie ist eine guteZusammenarbeit zwischen Therapeut und Patient. Dazu gehört natürlich, dass der Patient Vertrauen entwickelt und positiv zur KG eingestellt ist.

Bei der Behandlung sind 3 Grundregeln zu beachten:

 

1.) es tut gut =>  Behandlung fortsetzen

2.) Patient fühlt sich schlecht =>  auf die Hälfte reduzieren

3.) Patient fühlt sich auch dann noch schlecht  => aufhören und sich etwas anderes überlegen.

Der Patient muss lernen seine Leistungsgrenzen rechtzeitig zu respektieren. Das Tagesprogramm muss hier und da geplant werden. Pausen einlegen und Hast vermeiden.

 

 

HTML-Templates