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Die Behandlung in der Osteopathie

Die festgestellten osteopathischen Dysfunktionen werden manuell durch verschiedene Behandlungstechniken gelöst. Es werden die wichtigsten und bekanntesten kurz beschrieben. Es sei an dieser Stelle gewarnt, diese Werkzeuge mit der Therapie zu verwechseln.

1. Osteoartikuläre Techniken

 

a) Mobilisation
Die eingeschränkten Bereiche werden durch mobilisierende Techniken gelöst. Diese sind weich und arbeiten unter Beachtung der Dehnbarkeit der Gewebe. Ähnliche Techniken finden auch in der manuellen Therapie oder der Krankengymnastik/Physiotherapie Anwendung.

 

b) Manipulation mit Impuls

Sie dienen zur Lösung von Gelenken der Extremitäten und der Wirbelsäule. Charakteristisch ist das bei der Lösung der Blockierung auftretende knacken. Auch in der Chiropractic und Chirotherapie gibt es solche Techniken.

 

c) Myotensive Techniken / Muskelenergie Techniken

Sie arbeiten an der Wiederherstellung der Gelenkbeweglichkeit auf der Grundlage von neurophysiologischen Reflex-Mechanismen. Sie dienen ebenfalls zum Lösen von Gelenkblockierungen und stellen oft eine sanftere Möglichkeit zu den Manipulationen dar.
 

2. Viscerale Techniken (Sie wirken auf den Bereich der Inneren Organe)

a) Funktionelle Techniken

Sie benutzen die funktionelle Bewegung der Organe, das heißt ihre Bewegung im Zusammenhang mit der Atmung und Körperbewegung.

b) Embryologische Techniken

Diese Konzepte sind noch relativ neu, und entstanden / entstehen im Rahmen des Arbeitens mit dem Cranio-sacralen Konzept. Sie benutzen die embryologischen Entwicklungsrichtungen und deren strukturierende Wirkung.

3. Cranio-sacrale Techniken

Sie arbeiten mit dem cranio-sacralen Rhythmus. Dies ist ein am ganzen Körper tastbarer Bewegungsrhythmus (wie Pulswelle oder Atmung) , der allerdings sehr subtil ist. Das ertasten diese cranio-sacralen Rythmus bedarf zwar einiger Übung, ist aber generell für jeden Interessierten zu erlernen. Eine endgültige Klärung der Entstehung dieses Phänomens steht bis heute noch aus. Allerdings scheint die Produktion und Resorption des Liquor cerebrospinalis (Gehirn- und Rückenmarkflüssigkeit) eine entscheidende Rolle zu spielen. Neueste Forschungen z.B. der Universität Brüssel bringen immer mehr Indizien dafür.

Dr. SUTHERLAND hat auf der Grundlage dieses Körperrhythmus ein ganzes Konzept für Diagnostik und Therapie entwickelt. Es erlaubt die Arbeit mit jedem Gelenk des Körpers, inklusive Schädelnähte. Anwendungsbereiche für dieses Teilgebiet der Osteopathie anzugeben würde den Rahmen dieser Informationsschrift sprengen. Deshalb seien nur einige Beispiele genannt.

Die Behandlung von posttraumatischen Zuständen, Schleudertraumen, Schädeloperationen und der ganze Bereich der Kiefergelenksproblematik, hier in der Zusammenarbeit mit Zahnärzten und Kieferorthopäden, -Chirugen.

Auch die Behandlung von Säuglingen ist auf dieser Ebene sehr effektiv. Es ist z.B. möglich, Geburtstraumen nach einer sehr schnellen, bzw. sehr langen Geburt und dem Einsatz von Zange und Saugglocke zu behandeln. Die hierbei auftretenden Kräfte können u.U. das vom Kind selbst regulierbare Maß überschreiten. In diesem Falle bietet die cranio-sacrale Osteopathie eine sehr effektive Möglichkeit, eineventuell aufgetretendes "Derangement" des noch nicht verknöcherten Säuglingsschädel zu korrigieren.

Diese Probleme treten relativ häufig im Bereich des Hinterhauptsbeines (Occiput) auf, weil es zum Zeitpunkt der Geburt noch aus 4 Einzelteilen besteht. Eine frühzeitige Korrektur einer Dysfunktion auf dieser Ebene bewahrt den kindlichen Schädel davor, ein asymmetrisches Wachstum auszuprägen.

In Kombination mit dem Visceralen Konzept ist darüber hinaus eine Möglichkeit gegeben, auf Verdauungsstörungen und vieles andere positiv einzuwirken.

Die cranio-sacrale Arbeit ermöglicht es, eine sehr schnelle Beurteilung und osteopathische Diagnostik des Menschen in seiner Gesamtheit durchzuführen. Außerdem dient sie zur Integration des Teilbereiches wieder in das Ganze.

Darüber hinaus haben sehr viele Osteopathen noch weitere Behandlungstechniken entwickelt, die als Werkzeuge von den Therapeuten für jede Situation nach Bedarf ausgewählt werden können. Es würde jedoch den Rahmen einer Kurzdarstellung sprengen, alle hier darstellen zu wollen.

Schlußwort

Nach der Vorstellung all dieser Techniken erscheint es wichtig, darauf hinzuweisen, dass sie ihren Stellenwert nur im Rahmen des Gesamtkonzeptes der Osteopathie (Osteopathie-Philosophie) haben. Jede Technik, ohne den dazugehörigen Hintergrund der Kenntnisse von Anatomie und Physiologe wird immer nur Stückwerk und Versuch-Irrtum bleiben ! So sind auch die drei beschriebenen Bereiche der Osteopathie Teile eines Ganzen, die nur zusammen eine vollständige Therapie ergeben. Ein einzelnes Gelenk zu manipulieren ist meist keine sinnvolle Behandlung. Ein Verstehen des Zusammenspieles des Gesamtorganismus und darüber hinaus die Zusammenarbeit des Teams Patient - Osteopath sollte angestrebt werden. Die Grenzen der Osteopathie, und noch viel wichtiger unsere eigenen Grenzen als Therapeut, dürfen im Therapierausch und Machbarkeitswahn unserer Zeit nie aus den Augen verloren werden !!

Im direkten körperlichen Kontakt während Diagnostik und Behandlung eröffnet sich der Wert der Osteopathie. Ihre praktische Umsetzung erfordert allerdings langes Üben und Training manueller Fertigkeiten und Schulung der Sensibilität, deren Bedeutung in der Ausbildung und Arbeitsweise der klassischen Medizin unserer Zeit nicht erkannt wird. Die Schwerpunkte der "Schulmedizin" in der Pharmakologie und Operationstechnik haben einen grundlegend anderen Ansatz, aber in ihrer Wirksamkeit unbestreitbaren und oft genug lebensrettenden Wert. In der Behandlung funktioneller Störungen und dem Einbinden und Erkennen des Menschen in seiner Umwelt, findet diese "Notfallmedizin" jedoch oft ihre Grenzen.

Der Wirkungsbereich osteopathischer Arbeit erschöpft sich nicht in der Behandlung des Bewegungsapparates, sondern wirkt auf den ganzen Menschen in harmonisierender Weise, unter Anerkennung seiner individuellen Einzigartigkeit. Der Osteopath behandelt keine Krankheiten, sondern Menschen. Deshalb ist es auch nicht sinnvoll Indikationen (Heilanzeige, Grund für die Anwendung eines bestimmten Heilverfahrens) für die Osteopathie anzugeben. Die Beseitigung von Symptomen, wie z.B. Schmerzen, Probleme im Bereich der inneren Organe oder Asymmetrien ("Skoliosen", "Beckenschiefstand", "Kiefer- und Bissasymmetrien") ist im Grunde nicht das Ziel der Behandlung, sondern nur ein Ergebnis der Auflösung von Einschränkungen/osteopathische Dysfunktionen jeder Art. Die so wiedergewonnene Freiheit erlaubt es dem Einzelnen, sich den Anforderungen des Lebens in freier Beweglichkeit stellen zu können. Ist dies der Fall, so wird die sinnvolle "Warnlicht-Funktion" des Symptoms in den meisten Fällen nicht länger nötig sein und es kann wieder verschwinden.

Osteopathie sieht sich nicht als Konkurrenz zur klassischen Medizin. Jedoch durch ein anderes Welt- und Menschenbild und deshalb unterschiedlichen Setzung der Schwerpunkte im Umgang mit Menschen, ergibt sich Raum und Notwendigkeit für die Osteopathie !

Autor: Markus HIRZIG, Osteopath und Heilpraktiker, Frankfurt a. M., Tel.: 06150 - 55499